„Je ne me suis jamais senti un étranger en France“ – Lettres à mes amis français (1909-1942)

Wir machen auf die Erscheinung des Bandes „Je ne me suis jamais senti un étranger en France“ – Lettres à mes amis français (1909-1942) aufmerksam der im November im französischen Albin Michel Verlag erschienen ist. Vorwort und Anmerkungen stammen von Brigitte Cain-Hérudent und Claudine Delphis.

Brigitte Cain-Hérudent erläutert:

Die 424 Briefe, die in diesem Buch versammelt wurden – Briefe, Karten, Telegramme oder Rohrpostsendungen – sind in ihrer überwiegenden Mehrheit unbekannt, und sie schlummerten bis jetzt in Archiven und Bibliotheken auf der ganzen Welt. Sie wurden zwischen 1909 und 1942 von Stefan Zweig (1881–1942) an französische Kollegen und Freunde verschickt, die, wenn nicht alle Dichter oder Schriftsteller, doch alle direkt mit Literatur und Büchern zu tun hatten.

Achtundfünfzig Empfänger sind es insgesamt. Sieben von ihnen – Jules Romains, Georges Duhamel, René Arcos, Charles Baudouin, Marcel Martinet, Roger Martin du Gard und André Suarès – erhielten mehr als zwanzig Briefe. Achtundzwanzig weitere Empfänger sind nur mit einem Brief vertreten. Zwischen diesen beiden Gruppen gibt es gut zwanzig Korrespondenten, deren unerwartete, manchmal überraschende Vielfalt (z. B. André Gide, Henri Barbusse, Albert Schweitzer, Paul Valéry, Marie Bonaparte, Alfred Cortot) spüren lässt, wie lebhaft und aktiv Stefan Zweig sich am geistigen Leben seiner Zeit in Frankreich beteiligt hat. Ein weiteres Merkmal, das hier zu entdecken ist, ist Zweigs authentische Ausdrucksweise, sein „eigenartiges Brief-Französisch”, das man bisher nicht kannte:  gleichzeitig fehlerhaft und erfindungsvoll, oft unkorrekt, aber immer ausdrucksstark, hie und da mit Spuren der vielen Gespräche mit seinen Freunden. Die Psychologie Stefan Zweigs als Verfasser von Briefen auf Französisch ist noch zu erforschen, denn sie speist sich aus verschiedenen Zutaten, die wir hier ein wenig zu analysieren versuchen. Dreißig Briefe nur (von 424) sind hier im Original auf Deutsch verfasst, wir haben sie übersetzt.

Dieses umfangreiche Briefmaterial bildet natürlich auch eine Art Chronik des literarischen Betriebs in Frankreich – und außerhalb Frankreichs – vor dem Ersten Weltkrieg, auch während er noch tobte, und vor allem in der Zwischenkriegszeit. Eine höchst subjektive Chronik, die Jahr für Jahr die Vorlieben und Interessen eines geistig offenen Stefan Zweigs enthüllt. Man verfolgt  auch, wie er unermüdlich seine Rolle als Vermittler, (wir sagen lieber: “Cross-pollinator”) spielt – da er es häufig schafft, die französischen Bücher, die ihn begeistert haben, ins Deutsche übersetzen und veröffentlichen zu lassen. Schließlich markieren diese Briefe auch die Etappen seiner wachsenden Bekanntheit in Frankreich, da man sieht, wir er immer öfter Schriftstellern antwortet, die ihm spontan, ohne ihn persönlich zu kennen, ihr neues Werk geschickt haben.                                                                                                                                  

Um das Lesen anregender zu machen, haben wir diese zahlreichen Briefe in ungleiche Pakete, zeitlich abgegrenzte Kapitel sozusagen, untergeteilt. Vor jedem Abschnitt beschreibt eine kurze Einführung dessen wesentliche Merkmale und den biographischen und historischen Rahmen. Außerdem sind die Briefe von präzisen Anmerkungen und Erläuterungen begleitet, die für einen Leser des 21. Jahrhunderts notwendig sind – wenn er sie voll und ganz genießen will.

Weitere Informationen finden Sie hier: „Je ne me suis jamais senti un étranger en France“ | Éditions Albin Michel

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