Zum 80. Todestag Stefan Zweigs – Sammlung Georg P. Salzmann [Virtuelle Ausstellung]

Am 23. Februar 2022 jährt sich Stefan Zweigs Todestag zum 80. Male. Gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Lotte schied Stefan Zweig in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 1942 in Petrópolis, im brasilianischen Exil, freiwillig aus dem Leben. Über die Gründe gibt es viele Interpretationen und Überlegungen. 

Die „Internationale Stefan Zweig Gesellschaft“ möchte Stefan und Lotte Zweig an ihrem 80. Todestag dadurch ehren, indem sie an Georg P. Salzmann erinnert.

Georg P. Salzmann (1929-2013) war ein deutscher Büchersammler, der die „Bibliothek der verbrannten Bücher“ aufbaute. Hierbei handelte es sich um die größte Privatbibliothek für Werke (insbesondere Erstausgaben) jener Schriftsteller, die in der Zeit des Nationalsozialismus als verfemt galten und verboten waren. „Verbrannt“ bezieht sich dabei auf die Bücherverbrennungen in Deutschland 1933. Im Jahr 2008 umfasste seine Bibliothek etwa 14.500 Bände, wobei die Werke von rund 80 Autoren fast vollständig vorhanden waren. Ein Gutachten der Bayerischen Staatsbibliothek bezeichnete Salzmanns Bibliothek als einzigartige Sammlung.

Georg Salzmann lebte in Gräfelfing bei München, er widmete ab Mitte der 1970er Jahre seine Kraft, sein Geld und sein Haus der Exilliteratur und speziell auch Stefan Zweig. Seine große Sammlung blieb in Bayern und kam schließlich in die Universitätsbibliothek Augsburg. Dort wurde der Bestand katalogisiert und öffentlich aufgestellt. In dem Buch „Bibliothek der verbrannten Bücher. Die Sammlung von Georg P. Salzmann in der Universitätsbibliothek Augsburg“ ist zur Sammlung der Bücher Stefan Zweigs zu lesen:

Das Werk Stefan Zweigs, wie es in unserer Sammlung steht, dürfen wir ohne Übertreibung als ihren Höhepunkt werten. Fast lückenlos präsentiert es sich als Zeugnis der Liebe des Sammlers zu diesem Autor, in Büchern und Zeitschriften, ergänzt um viele von Zweig übersetzte Texte. Zweigs literarischer Weg zum Erfolg, sein Judentum und seine humanistisch-kosmoplitische Haltung, seine Erzählkunst und Produktivität, seine Verbindungen im geistig-literarischen Leben und sein bewegter Exilweg mit tödlichem Ende – alles findet sich auf sieben eng gefüllten Regalbrettern zu einem eindrucksvollen Ensemble vereint. Georg P. Salzmann machte kein Hehl daraus, dass er auf seine Zweig-Sammlung besonders stolz  war. Die Erstausgabe der Schachnovelle (Buenos Aires 1942) ist darüber hinaus ein höchst seltenes Spitzenstück der Sammlung“.

Andrea Voß, Gerhard Stumpf, Ulrich Hohoff (Hg.): Die Bibliothek der verbrannten Bücher. Die Sammlung von Gerhard P. Salzmann in der Universitätsbibliothek Augsburg. München: Allitera Verlag, 2. Aufl. 2020, S. 39.

Das einzige Buch Zweigs, das in der Sammlung Georg P. Salzmanns fehlte, war „Worte am Sarge Sigmund Freuds“.

Weitere Informationen:

Hier lesen Sie ein Interview mit Georg P. Salzmann aus dem Jahr 2008

Volltext des Buches „Die Bibliothek der verbrannten Dichter“

Website der „Bibliothek der verbrannten Bücher“

Nachtrag

Die Sammlung Georg P. Salzmann kann inzwischen digital besichtigt werden.

1 Kommentar

  1. Brigitte Verge Cain

    Herzlichen Dank für diesen originellen Einfall der ISZG zu diesem Gedenktag des 22/02/2022 „für“ Stefan und Lotte Zweig !
    Denn diese Bibliothek der verbrannten Bücher“ ist tatsächlich nennenswert
    als beeindruckendes Beispiel für
    a) ein aktives Gedenken.
    b) eine individuelle Initiative, ausserhalb jeglicher Kultur-Institution – gerade das hätte Zweig ganz gut gefallen !
    c) eine Art Aktion der Wiedergutmachung, angesichts der « tiefbraunen Vergangenheit » des bayerischen Sammlers, wie er es selbst sagt und offen kundtut.

    Zwar ist es eine hauptsächlich mit Deutschland verbundene Geschichte ist : ein Deutscher / Bayern / Augsburg
    Und die « INTERNATIONALE SZ-Gesellschaft hätte sich etwas Welt-Offeneres einfallen lassen sollte…
    JEDOCH sind diese Exil-Literatur und -Schriftsteller, deren Präsenz und Weiterbestehen innerhalb der deutschen Kultur für Herrn Salzmann so wichtig waren, an sich mit der ganzen Welt verbunden :
    durch das Exil in alle Himmelsrichtungen, UND durch die mannigfaltige Herkunft der Autoren, deren gemeinsamer Punkt eigentlich nur die deutsche Sprache war !
    Wir freuen uns also sehr und danken dem ISZG-Team für diese Meldung !

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